Dienstag, 24. Juni 2014

Platon und Kant im Neuronensturm

Nicht nur den modernen Promis und Politikern wird häufig das Wort im Mund verdreht. Würde der gute alte Platon für jede Fehlinterpretation seiner Lehre einen Cent bekommen – er wäre heute ein reicher Mann.
 
Platonische Liebe, platonische Liebe
Ach, ist das nicht lieb,
dass es das heut zu Tag noch gibt
So ganz ohne Triebe
Platonische Liebe

schmetterte vor einigen Jahren Rüdiger Bierhorst. Dabei hängen für Platon Liebe und Eros untrennbar zusammen. (Bevorzugt natürlich mit Knaben, wie es bei den Griechen damals üblich war).  

 

begleitung platonische liebe

 

Demgegenüber vertritt der nicht weniger mitteilungsbedürftige Kant die gegenteilige Ansicht. Nämlich, dass Schönheitsempfinden, sich als „interesseloses Wohlgefallen“ auszudrücken hat.

 

Der Königsberger Philosoph war eben sehr streng und wir wissen nicht, ob Kant jemals die Dienste einer Escortdame oder Kurtisane in Anspruch genommen hat. Vielleicht gab es aber in Kants Heimatort einfach zu wenig Möglichkeiten sich auszutoben und so hat sich der scharfe Denker aus reiner Vernunft in eine Position zurückgezogen, die fleischliches Empfinden in den Hintergrund rückt.

 

Die moderne Wissenschaft zeigt, dass in jedem von uns ein wenig Platon und Kant stecken: Das menschliche Gehirn besitzt zwei Areale – eines für Begehren/Fleischeslust (Platon) und eines für zweckfreies Ästhetikempfinden (Kant). Die platonischen Lustneuronen sitzen dabei in der rechten, die zurückhaltenden Kant-Neuronen in der linken Gehirnhälfte.

 

Die Aktivität bestimmter Hirnareale lässt sich mithilfe von Magnetresonanztomographie (MRT) messen.[1] Die Technik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass allein aus der Hirnaktivität Rückschlüsse auf die Gedanken der Probanden gezogen werden können.  Eindrucksvolle Experimente belegen dies.

 

 

Werden in diesem Zusammenhang Männern Photos von Kunstwerken oder auch gut gebauten männlichen Athleten zeichnet das MRT eine verstärkte Aktivität in der linken Gehirnhälfte auf. Die gezeigten Objekte werden auf ästhetische Weise als schön empfunden. In der rechten Hirnhälfte aber herrscht Stille, weil das Empfinden nicht mit Lust einhergeht.

 

Sind auf den Photos stattdessen Frauen zu sehen, so zeigt das MRT Aktivität in der linken und rechten Gehirnhälfte.[2] Die Stärke der Neuronenaktivität wird dabei von der Attraktivität der gezeigten Damen bestimmt. Bar Refaeli dürfte also bei den meisten Männern für einen heftigen Neuronensturm sorgen, während Photos von Alice Schwarzer neuronische Windstille und Schreckensrufe der Probanden aus der MRT-Röhre verursachen. Beim Anblick schöner Frauen koppelt also das Ästhetikempfinden der linken Gehirnhälfte mit dem Lustempfinden der rechten Gehirnhälfte.

 

Schade für die Testpersonen, dass es in dem Experiment bei einem virtuellen Neuronensturm geblieben ist. Wer weiß, vielleicht können irgendwann in der Zukunft Photos mittels holographischer Methoden zum Leben erweckt werden. Bar Refaeli entsteigt ihrer zweidimensionalen Abbildung und beglückt die Probanden für ihre harte Arbeit. Den weniger glücklichen Männern steht ein Schäferstündchen mit Alice bevor… Aber lassen wird das.

 

Bis es soweit ist, nutzen Sie Ihre beiden Gehirnhälften zur Auswahl der besten Escortlady. Und ob es nun Platon- oder Kantneuronen sind – Hauptsache ein heftiger Neuronensturm.

 

Literatur

 

[1] Spiers H. J., Maguire E. A.: Decoding human brain activity during real-world experiences. In: Trends in Cognitive Sciences 11 (8). http://bit.ly/1v1HILy

[2] Ferrettia A., Caulob M., Del Grattaa C. et al. Dynamics of male sexual arousal: distinct components of brain activation revealed by fMRI. In: NeuroImage 26 (4) http://bit.ly/VaYQnx

 

Platon und Kant im Neuronensturm gesehen auf http://bit.ly/1choK0m.

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